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PÜCKLER usw., usw. - Rezeption, Vermarktung, Kult
19.09.2010
Orangerie
02953 Bad Muskau
Eine Ausstellung, wie es sie sonst noch nie gegeben hat, ein Tutti-Frutti, wie es dem Fürst sicher gefallen hätte – Pücklers Parks und Pücklers Bücher, dazu zwei scheinbare Gegensätze – Kunst und Kommerz. Eben „eine Ausstellung der besonderen Art“.PÜCKLER usw., usw. - Rezeption, Vermarktung, KultSonderausstellung zum 225. Geburtstag des Fürsten Pückler-Muskau im Neuen Schloss Bad Muskau13. Mai bis 31. Oktober 2010, täglich geöffnet 10 bis 18 UhrDie Ausstellung gibt mit einer Fülle von Originalen Antworten auf die Fragen, wie ging es nach dem Tode des Fürsten mit Wahrnehmung und Rezeption seiner Werke und seiner Biographie weiter:Welche Schicksale nahmen seine Parks? (Muskau, Babelsberg und Branitz)Buchumschlag der italienischen Ausgabe der ANDEUTUNGENWurden seine Bücher weiter verlegt und gelesen? Der Besucher kann erfahren, dass z.B. Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ in vielen Ausgaben erschienen sind, neben den deutschen Ausgaben kamen sie auch in Englisch, Französisch und Italienisch heraus.Und Pücklers „Briefe eines Verstorbenen“ ist mit etwa 40 Ausgaben noch immer ein viel verkauftes und gelesenes Buch.Kunstwerke von über dreißig Bildenden Künstlern zeigen: Leben und Werk Pücklers waren für viele Künstler Quelle ihrer Inspiration. Hier trifft Tradition auf Moderne, Künstler, die einer impressionistischen Malweise verpflichtet sind ebenso wie Expressionisten und Abstrakte.Ein besonderer Abschnitt ist der Vermarktung Pücklers gewidmet, die anhaltende Strahlkraft des Namens beweisen zahlreiche Produkte, neben dem allbekannten Pücklereis findet man Pücklertorte, Pücklerschokolade, Pücklerbier, Pücklerbiskuits, Pücklercreme, Pücklerpudding usw. usw. aber auch Absonderlichkeiten, wie Pücklerzigaretten oder Pücklermargarine.Eisverpackung Firma BotterbloomEinen zweifelhaften Höhepunkt dieser Geschmacksverwirrung bildet sicher der Abfallkalender der Stadt Cottbus von 2006 – er wird von der Branitzer Pyramide „geziert“ – ein Ort der Abfallbeseitigung?Der Besucher der Sonderausstellung, die den repräsentativen Rittersaal ausfüllt, soll Vergnügen empfinden, Kunstgenuss empfangen, neue Erkenntnisse erlangen und angeregt werden, wieder einmal in einem Pückler-Buch zu lesen. Wenn er aber nach dem eindrucksvollen Ausstellungsbesuch über einen außerordentlichen Künstler, über den Fürsten von Pückler-Muskau, „einem Künstler von Gottes Gnaden“ (Eduard Petzold) nachdenkt und darüber auch noch mit anderen redet, dann ist der Zweck der Sonderschau, die der Historiker, Ausstellungsmacher und Pückler-Kenner Siegfried Kohlschmidt aus Cottbus konzipierte, erfüllt.Die Sonderausstellung ergänzt mit dem besonderen Bezug zur aktuellen Rezeptionsgeschichte Pücklers in idealer Weise die Dauerausstellung im Südflügel des Neuen Schlosses „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!“, deren Schwerpunktthemen ja die facettenreiche Biographie Pücklers sowie die Vision und die reale Entwicklung seines Muskauer Parks sind.Hintergrundinformationen:Als der Fürst 1871 stirbt, wird es ruhig um den einstigen Liebling Europas. Daran ändert auch die Veröffentlichung seiner Tagebücher und Briefe nichts. Zu lange sind die Indiskretionen und Skandälchen her, als dass sie ein nachhaltiges Echo auslösen. Doch zwei Generationen weiter interessiert sich die Öffentlichkeit rasant zunehmend für den Romantiker Pückler. Seine Parks gehören adligen Familien, die sein Erbe als kostbaren Besitz schätzen, mit hohem Einsatz pflegen und ein breites Publikum am Genuss von Gartenkunst und Gartenlust teilhaben lassen. Pücklers Bücher werden neu herausgegeben. Umfassende Biographien erscheinen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und England. Pückler wird Gegenstand der Wissenschaft, aber auch einer ausufernden Vermarktung.Nach 1945 gelangen Pücklers Parks in sogenanntes Volkseigentum. Durch das Engagement Einzelner überstehen die Gartenanlagen die Mangelwirtschaft der DDR relativ unbeschadet. Seine Bücher erscheinen über Europa hinaus. Die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse nach 1990 sichern mit Errichtung von Stiftungen Pücklers Erbe. Der Muskauer Park, als gemeinsames deutsch-polnisches Gartenkunstwerk, und der Park Babelsberg, Teil der Preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, werden in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Pücklers Bücher wirken weltweit, Künstler werden von seinen Werken inspiriert, und auch das Marketing hat die „Marke Pückler“ noch lange nicht aufgegeben.


 

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